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Musenhöfe und Mustergüter: Literatur und Landlust in der Mark

Voranmeldungen zur Reiseteilnahme vom 04. – 08. Juli sind ab sofort möglich: reisen@tagesspiegel.de (Preisinformationen folgen zeitnah)

Anmeldefrist: bis 20. Mai 2022

Ihre Reiseauswahl:

Mark Brandenburg

Preise auf Anfrage per E-Mail

Bild: Dorothee Nolte

Musenhöfe und Mustergüter: Literatur und Landlust in der Mark

Die Schlösser und Herrenhäuser der Mark erzählen viele Geschichten: von der preußischen Zeit, den dramatischen Umbrüchen, die das 20. Jahrhundert brachte, und den Herausforderungen von heute. Im 18. und 19. Jahrhundert waren einige von ihnen Musenhöfe, in denen sich die literarische Prominenz traf, andere waren Mustergüter, auf denen landwirtschaftliche Experimente stattfanden – und manche waren beides gleichzeitig. Denn wo ein Gutshaus mit Gartensaal und Salon ist, da sind auch Ländereien und Wälder, die es zu bewirtschaften gilt. Heute stellen sich dabei ganz neue Herausforderungen. Auf dieser literarischen Reise blicken wir in die Vergangenheit und in die Zukunft: Wir besuchen Schlösser und Gutshäuser, von denen einst kulturelle Impulse ausgingen – und die heute zeigen, wie nachhaltige Landwirtschaft funktionieren kann.

Ich freue mich auf Sie,

Ihre Dorothee Nolte

Tag 1: Maulbeeren und Maulhelden: Auftakt im 18. Jahrhundert
(Zernikow, Eberswalde, Steinhöfel)

• Abfahrt im komfortablen Reisebus ab Berlin ZOB nach Zernikow mit Zwischenstopp in Meseberg

• Ankunft in Zernikow mit Besuch der Schlösser-Ausstellung auf Gut Zernikow und Besuch der Seidenbauausstellung und der Maulbeerallee sowie Führung auf dem Gelände von Gut Zernikow

• Mittagsimbiss in der Créperie in Zernikow

• Fahrt nach Eberswalde zur Hochschule für nachhaltige Entwicklung: Treffen mit Vertreter des Studiengangs ökologische Landwirtschaft und Spaziergang durch den forstbotanischen Garten

• Fahrt nach Steinhöfel mit Sektempfang und Abendessen im Hotel Schloss Steinhöfel

Kennen Sie Zernikow? Das erste Gut, das wir besuchen, liegt in der Nähe des Musenhofs Rheinsberg und bietet den perfekten Einstieg in unser Doppelthema Literatur und Landwirtschaft. Friedrich der Große schenkte das Gut Zernikow seinem Vertrauten Michael Fredersdorff, der dort eine riesige Maulbeerbaum-Plantage anlegen ließ. Davon ist heute nur noch die Maulbeerallee übrig, die einzige erhaltene in Brandenburg, die noch von der Zeit des preußischen Seidenbaus kündet. Wir besuchen die Ausstellung zum Seidenbau im Herrenhaus, schlendern über das Gutsgelände und erfahren unter Maulbeerbäumen mehr von der Aufzucht der Raupen und ihrer Verarbeitung.

Fredersdorffs Witwe Elisabeth von Labes war die Großmutter des romantischen Dichters Achim von Arnim, der hier seine Jugend verlebte. Eine (angeheiratete) Nachfahrin des Dichters hat uns ein hochinteressantes Dokument über das Leben als Gutsherrin im 20. Jahrhundert hinterlassen: Clara von Arnims autobiografisches Werk „Der grüne Baum des Lebens“ (1998) spielt in weiten Teilen in Zernikow.

Auf unserem Weg ins Oderbruch stoppen wir in der Fachhochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FHNEE). Im Waldcampus begrüßt uns ein Vertreter der Hochschule und erläutert uns die Grundzüge dessen, was wir in den kommenden Tagen hautnah erleben werden: der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft. Ein Spaziergang durch den „Forstbotanischen Garten“, einen der ältesten botanischen Gärten Deutschlands, rundet den Besuch ab.

Anschließend fahren wir in das Schloss, in dem wir die nächsten vier Nächte verbringen werden: Steinhöfel, einer der schönsten Adelssitze in der Mark und heute denkmalgeschütztes Hotel. Von David Gilly im Stil des Klassizismus umgebaut, war es seinerzeit ein Mustergut und Initialbau für neue Ideen. Vielleicht bleibt noch Zeit für einen Spaziergang durch den weitläufigen Schlosspark? Wenn nicht heute, dann in den folgenden Tagen.

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Tag 2: Albrecht Daniel Thaer, die Frauen von Friedland und Adelbert von Chamisso
(Möglin, Kunersdorf, Neuhardenberg)

• individuelles Frühstück im Hotel

• Abfahrt nach Möglin: Eintritt und Führung in der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer mit Besichtigung Kirche, Dorf und Gutspark Möglin

• Mittagsimbiss in Altfriedland

• Weiterfahrt nach Kunersdorf mit Eintritt und Führung im Chamisso-Museum

• Abendessen in Neuhardenberg oder Rückfahrt zum Hotel Steinhöfel mit Zeit individueller Freizeit bis zum Abendessen (noch in Planung)

Bevor wir uns aktuellen landwirtschaftlichen Projekten nähern, blicken wir in die Geschichte: Wie wurde der märkische Boden im 19. Jahrhundert bearbeitet? Albrecht Daniel Thaer (1794-1863) gilt als der Begründer der modernen Landwirtschaftslehre. Auf seinem Gut in Möglin führte er Experimente durch und entwickelte seine Ideen zur „rationellen Landwirtschaft“. Eine Vertreterin der Thaer-Gesellschaft führt uns durch die historische Ausstellung und das Dorf mitsamt seiner Kirche.

Thaer war befreundet mit den „Frauen von Friedland“, die auf ihrem Schloss in Kunersdorf einen Musenhof nach dem Muster der Berliner Salons um 1800 führten. Dort war die geistige Prominenz zu Gast, darunter Wilhelm und Alexander von Humboldt und nicht zuletzt Adelbert von Chamisso, der hier sein berühmtes Kunstmärchen vom „Peter Schlemihl“ schrieb. Ein charmantes Museum erinnert in Kunersdorf an den Schriftsteller, Naturforscher und Weltreisenden – und an den Musenhof der Frauen von Friedland, die im Übrigen auch sehr praktische Landwirtschaft und Botanik betrieben.

Ganz in der Nähe liegt Neuhardenberg, wo die Stiftung Schloss Neuhardenberg ein anspruchsvolles Kulturprogramm anbietet. In der Brennerei nehmen wir ein frühes Abendessen ein (unter Vorbehalt) und spazieren durch den von Fürst Pückler gestalteten Schlosspark. Und treffen literarisch auf Günter de Bruyn (1927-2020), der in seinem Werk „Die Somnambule“ von der späten Liebe des Staatskanzlers Karl August von Hardenberg zur jungen Friederike Hähnel, Patientin des Hypnotiseurs Koreff, berichtet. De Bruyn, der große Erzähler der Mark und ihrer Schlösser, wird uns in den folgenden Tagen noch oft begegnen.

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Tag 3: Regenerative Landwirtschaft, Rahel Levin und die Geschichte derer von der Marwitz und von Finckenstein
(Alt-Madlitz und Friedersdorf)

• individuelles Frühstück im Hotel

• Abfahrt Alt-Madlitz: Parkführung Schlosspark und Spaziergang zu den Feldern & Vortrag Benedikt Bösel

• Weiterfahrt mit dem Bus nach Friedersdorf: Mittagsimbiss und Führung mit Hr. von Marwitz durch Speicher, Barockkirche und landwirtschaftlichen Betrieb

• Blick auf das Schloss Trebnitz

• Rückfahrt zum Hotel Steinhöfel mit Abendessen

Regenerative Landwirtschaft: Das ist das Schlagwort, unter dem Benedikt Bösel in Alt-Madlitz versucht, in einer vom Klimawandel hart getroffenen Region nachhaltig zu wirtschaften. Was das genau bedeutet, erklärt uns der Ex-Investmentbanker im Angesicht von Agroforst-Feldern, trockenen Böden und klimafreundlichen Kühen.

Wir sehen aber auch das Schloss Alt-Madlitz und den Park, einen der ersten englischen Landschaftsgärten in Brandenburg: Hier war einst der Musenhof derer von Finckenstein. Günter de Bruyn hat über die Familie ein Buch geschrieben („Die Finckensteins“) und berichtet darin auch von Karl von Finckenstein, dem Liebhaber der Salonière Rahel Levin.

Zu Mittag essen wir im „Kunstspeicher Friedersdorf“. Das Schloss Friedersdorf war einst der Sitz derer von der Marwitz. Es wurde 1956 gesprengt, aber seit der Wende wird das Gut wieder von der Familie von der Marwitz bewirtschaftet. Hans-Georg von der Marwitz empfängt uns, zeigt uns die Barockkirche und erklärt uns, wie er biologisch-dynamische Landwirtschaft betreibt.

Über Müncheberg, mit einem kurzen Stopp auf Schloss Trebnitz, heute eine deutsch-polnische Begegnungsstätte, fahren wir zurück nach Steinhöfel.

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Tag 4: Erinnerung an die Hachschara, ein nachhaltiger Forst und eine Stiftung im Entstehen
(Neuendorf im Sande, Sauen, Beeskow)

• individuelles Frühstück im Hotel

• Abfahrt nach Neuendorf im Sande: Führung und Besichtigung Gutshof und Mittagsimbiss

• Weiterfahrt mit dem Bus nach Sauen

• Besuch Gutshof Sauen mit Waldspaziergang mit der Försterin Monique Müller: 2h Wanderung durch den Sauener Wald: die Tour umfasst etwa 5 km, ebenes Gelände, leichte Tour; Themenbereiche: kulturhistorisch, gesellschaftlich und forstlich

• Gedankenaustausch zum Erlebten bei Kaffee & Kuchen am „Papphaus“ in Sauen

• Weiterfahrt mit dem Bus nach Beeskow: Rundgang in Beeskow und Begegnung mit Wolfgang de Bruyn (ehemaliger Leiter des Kleist-Museums und Sohn von Günter de Bruyn)

• Rückfahrt zum Hotel Steinhöfel: Abendessen und Filmvorführung

Eine ungewöhnliche Geschichte hat das Gut Neuendorf im Sande, wenige Kilometer von Steinhöfel entfernt: Hier war in den 1930er Jahren eine Ausbildungsstätte der Hachschara. Junge Jüdinnen und Juden wurden auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitet und erhielten eine landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung. Ab 1941 war das Gut ein Zwangsarbeiterlager, unter anderem war Hans Rosenthal, der spätere Dalli-Dalli-Quizmaster, hier interniert. Der Verein „Geschichte hat Zukunft“ hält die Erinnerung daran wach, führt uns durch das Gutsgelände mit seiner Freilicht-Ausstellung und berichtet von den Erfahrungen mit solidarischer Landwirtschaft, die hier betrieben wird.

Abkühlung von der Sommerhitze finden wir im Wald: Försterin Monique Müller spaziert mit uns durch den Sauener Forst, der von dem Chirurgen August Bier bereits in den 1910er Jahren von einem übernutzten Kiefernwald in einen artenreichen Mischwald umgebaut wurde. Bei Kaffee und Kuchen erläutert uns Professor Conrad August Baldamus, Nachfahr Biers, wie die Stiftung August Bier heute hier eine nachhaltige Waldwirtschaft betreibt (unter Vorbehalt).

Von Sauen aus fahren wir ins nahe Beeskow mit seiner eindrucksvollen Marienkirche und der Wasserburg. Hier begrüßt uns Wolfgang de Bruyn, der Sohn Günter de Bruyns, in dem denkmalgeschützten Gebäude, das gerade zum Sitz der de-Bruyn-Stiftung umgebaut wird. Günter de Bruyn wohnte bis zu seinem Tod 2020 im „Abseits“, einem einsam gelegenen Haus unweit von Beeskow. Hier schrieb er die Werke, aus denen wir auf unserer Reise schöpfen – sein letztes, postum erschienenes Werk „Die neue Undine“ wird uns am folgenden Tag beschäftigen.

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Tag 5: Undine ruft
(Groß Behnitz, Nennhausen und das Havelland)

• individuelles Frühstück und Check-Out im Hotel

• Abfahrt nach Groß-Behnitz: Besuch vom Landgut Stober mit Führung über das ehemalige Landgut der Familie Borsig (unter Vorbehalt)

• Mittagsimbiss

• Weiterfahrt nach Nennhausen: Spaziergang durch den Schlosspark von Schloss Nennhausen sowie Besuch der Sonderausstellung zum Schriftsteller Günter de Bruyn

• Rückfahrt mit dem Bus nach Berlin ZOB (Ankunft ca. 19 Uhr)

Auf der Busfahrt von Steinhöfel ins Havelland stimmen wir uns auf das Märchen von der Wasserfrau „Undine“ ein, das der romantische Dichter Friedrich de la Motte-Fouqué auf Schloss Nennhausen schrieb und das Günter de Bruyn in seinem letzten Werk neu erzählt. Nach einem Mittagessen in Groß-Behnitz (oder Umgebung) besuchen wir Nennhausen mit seinem Schlosspark, in dem eine stimmungsvolle Freilichtausstellung mit schwebenden Tontafeln die berühmten Köpfe zeigt, die am hiesigen Musenhof Fouqués und seiner Frau Caroline von Briest verkehrten. Hier begegnen wir Rahel und Karl August Varnhagen von Ense und Adelbert von Chamisso wieder, und Günter de Bruyn selbst ist ebenfalls mit einem Medaillon verewigt.

In Nennhausen erwartet uns auch die Wanderausstellung „Schreibwelten“ über die märkischen Fahrten und Forschungen Günter de Bruyns – wenn man so will, eine bebilderte Zusammenfassung unserer Reise. Und im Pfarrhaus des benachbarten Ortes Stechow trinken wir zum Abschluss Tee mit Marie-Agnes von Stechow, einer besonderen Kennerin der märkischen Musenhöfe (unter Vorbehalt).

Programmänderungen aus witterungsbedingten und organisatorischen Gründen vorbehalten!

Reiseleistungen:

• Fahrt im komfortablen Reisebus ab/bis Berlin-ZOB

• Reisebegleitung durch die Tagesspiegel-Redakteurin und Humboldt- und Pückler Biographin Frau Dr. Dorothee Nolte

• 4 Übernachtungen inkl. Frühstück im Hotel Schloss Steinhöfel

• 5 Mittagsimbisse, 4 Abendessen und 1x Kaffee und Kuchen

• Sektempfang im Hotel am Anreisetag

• Führung auf Gut Zernikow mit Besuch der Schlösser-Ausstellung

• Eintritt Seidenbauausstellung und Maulbeerallee

• Spaziergang durch den forstbotanischen Garten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde inkl. Vortrag

• Eintritt und Führung in der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer

• Besichtigung Kirche, Dorf und Gutspark Möglin

• Eintritt und Führung im Chamisso-Museum in Kunersdorf

• Eintritt Gut & Bösel mit Parkführung und Vortrag

• Führung im Schlosspark von Alt-Madlitz inkl. Vortrag

• Führung durch Friedersdorf

• Führung auf Gutshof Neuendorf im Sande

• Wanderung in Sauen mit Försterin und Kaffee und Kuchen

• Rundgang in Beeskow mit Wolfgang de Bruyn

• Führung und Mittagsimbiss auf dem Landgut Stober (unter Vorbehalt)

• Parkspaziergang in Nennhausen

• zusätzliche Tagesspiegel-Reisebegleitung

Reisetermin 2022:

04. – 08. Juli

Anmeldefrist: bis 20. Mai 2022


Persönliche Beratung und Anmeldung:

reisen@tagesspiegel.de
(telefonische Anmeldung ab Januar/Februar möglich)

Hier zur Voranmeldung

Ihre Buchungshotline: reisen@tagesspiegel.de (Telefonnummer folgt zeitnah)

Ihre unverbindliche Reiseanfrage:

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  1. DZ oder EZ
  2. Covid-19-Impfung ja / nein
  3. Vegetarier ja /nein